Wenn der Hype von der Realität eingeholt wird

iPadDie Katze ist seit gestern aus dem Sack. Das Baby vor versammelter Mannschaft geboren und getauft. Doch wer braucht sowas? Die Rede ist von Apples neuestem Produkt dem iPad. Seine Awesomeness und Herrlichkeit Steve Jobs sprach noch vor einiger Zeit vom wichtigsten Produkt seiner Karriere, die Aktienkurse kletterten seit jeher voller Vorfreude nach oben, doch kurz nach 19 Uhr CET brach der Kurs erstmal ein und die Ernüchterung folgte alsbald. Was dem Klatschvieh im Saal kein Abbruch tat trotzdem Stevie’s neuestes Produkt zu lobpreisen. Die waren allemal bezahlt, denn ein guter Reporter hatte gar keine Zeit zum klatschen, der war damit beschäftigt schön brav die Präsentationsbilder zu fotografieren und zu kommentieren.

Bevor wir uns dem Pro und Kontra zuwenden gibt es erstmal die Spezifikationen, damit wir uns im Klaren sind über was wir eigentlich reden:

Höhe: 242.8 mm
Breite: 189.7 mm
Dicke: 13.4 mm
Gewicht: zwischen 680 und 730 Gramm (mit oder ohne 3G Modul)
Prozessor: 1GHz Apple A4 Chip
Display: 9.7 Zoll bei 1024 x 768 Pixel Auflösung (4:3 Format)
Speicher: 16, 32 und 64 GB SSD (Flash)
Akku: festverbauter Lithium-Polymer Akku mit bis zu 10 Stunden Laufzeit (ohne 3G)
Weiteres: Accelerometer, Ambient Light Sensor, Dock Connector, 3.5-mm Kopfhörer Anschluss, eingebaute Lautsprecher, Mikrofon, Wi-Fi (802.11a/b/g/n), Bluetooth 2.1 + EDR, etc.

apple-creation-0157-rm-engFangen wir doch mal mit den Pros an bevor uns die Apfelfans wegrennen, wenn sie es denn nicht schon nach der Einleitung sind. Es ist schick und es ist flach, sogar richtig flach, da kann man sagen was man will und wer die Umblättern-Funktion beim iBook Modus gesehen hat, der wird spätestens da sich auf den ersten Blick verliebt haben. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es dreht sich mit und das super schnell (dem Gigaherz sei lobpreiset) und bei 10 Stunden vollrauschsurfen auch zeitlich ein netter Vertreib, solange ich das 3G Modul nicht anwerfe und um einige Stunden zurückgeworfen werde (Schätzungen liegen um die 2 Stunden.). Der Office-Planer ist sicherlich auch so ein Schmankerl, sieht er einem echten Office-Planer doch sehr ähnlich und man fühlt sich darin direkt heimisch. Überhaupt ist das ganze ein typisches Rundum-Konzept made by Cupertino. Da passt und sitzt alles. Doch trifft dies nur auf den User zu, der PCs als solches nicht tiefer begreifen kann oder will, denn wenn es darum geht sich individuell das System anzupassen, kommt man direkt an die Grenzen, genauer gesagt an die iTunes-Grenzen. Will ich was, dann auch nur von iTunes, es sei denn das Web gibt mir optional was her, was eher ein rares Phänomen ist. Egal, hab ich schon die gut gelöste Tastatur erwähnt? Nicht, dann ist dies auch getan. Übrigens, erinnert sich noch wer an den Aktienkurs auf den ich anfänglich zu sprechen kam? Der war ziemlich nach unten gerutscht, bis das Killerargument kurz vor Präsentationsende gezündet wurde. Der Preis. 499 US-Dollar soll der Einstiegspreis sein, da Apple seine Preise nach Europa 1 zu 1 bringt sind das auch direkt mal 499 Euro. Nicht schlecht, doch gibt es das erste nutzbare Modell, wo ich unabhängig, überall wo es 3G gibt, auf’s Web zugreifen kann, ab 629 US-Dollar bzw. Euro. Das ein 3G-Modul teuer ist, ist nicht neu, Hersteller berappen da gerne mal gute +50 Euro Aufpreis aber 130 Euro? Nee is klar …

couchGenau da stellt sich die schöne Blonde mit den heißen Kurven nach dem Partytrauma als Augenkrebs am nächsten Morgen dar. Die gröbsten Kontras mal angeführt. Alles was über Flash kommt wird direkt ausgebremst, denn Flash bleibt weiterhin ein Fremdwort bei Apple. Das grenzt die Fans von Filmen, Musik (deezer.com als Beispiel) und Flash-Games aus. Teilweilse radiert es ganze Flashseiten einfach mal aus, wenn dort keine HTML-Version alternativ vorliegt. Multi-Tasking gibt es auch nicht wirklich, dabei wäre das auf dem Format gar nicht so unmöglich. Ein Messenger und das Web im Querformat lassen mich direkt mit Freunden über aktuelle Dinge im Web diskutieren während ich mir diese ansehe. Wo wir schonmal bei dem Format sind, die Auflösung ist auch nicht der Knaller, hatte ich dich wenigstens mit HD-Fähigkeit gerechnet, daher mit einer 1366er Pixel Breite. Gut, ein HDMI-Anschluss gibt es eh nicht und per Connector kommt da auch nur eine krepelige Auflösung via VGA-Adapter bei raus. Dabei bietet doch der iTunes Store massig HD-Material an und bei 10-Zoll macht das schon was her, Netbook-User mit HD-Display wissen was ich meine.
Ein Mikrofon gibt es aber in Zeiten von Videochat und Videotelefonie keine Kamera, vorne eine 0.3 oder 1.3 Megapixel-Kamera hätte niemanden geschadet, sondern wäre beim Couch-Surfing sicherlich auch ganz witzig. Und zuletzt den USB-Anschluss komplett zu kappen, beim MacBook air war das ja schon so eine Lachnummer, dürfte sicherlich auch bei dem ein oder anderen auf Unverständnis treffen aber okay, man will den Kreislauf von externen, Nicht-iTunes-Material möglichst komplett ausgrenzen.

flatboy

Fazit: Wo man beim iPhone und iPod neue Apfelfans aus anderen Bereichen generiert hat, wird beim iPad wohl die Kundschaft stark aus den eigenen Reihen kommen. Nicht umsonst preist Jobs damit, wer mit dem iPod Touch umgehen kann, der kann automatisch mit dem iPad umgehen. Skepsis gibt es auch in den eigenen Reihen wie schon lange nicht mehr zu lesen. Ich gestehe auch ein wenig erstaunt gewesen zu sein. Ja, das Gerät wird wohl nicht den ersehnten neuen “Gold Rush” (lediglich für Apple, als neuer iTunes-Booster) auslösen aber gekauft wird es dennoch und weil die Konkurrenz wohl vornehmlich erst zum Ende des Jahres ihre Tablets auf den Markt bringen wird, wird es nach einem Jahr mit Sicherheit heißen “We’re the market leader in sales of the innovative iPad in 2010.” Und die Groupies werden Stevie feiern.

Zubehör

  1. Ich hatte mich bisher noch nicht allzu sehr damit beschäftigt, aber ich dachte ehrlich gesagt schon, dass es das ein oder andere in diesem Beitrag angesprochene Feature nicht mitbringt. :(

    Nun ja, ich bin sowieso nicht Zielgruppe, ich liebe Laptops und finde schon Netbooks zu schwach. Was soll ich da mit nem abgespeckten Netbook?!
    Wenn ich mal zu viel Geld habe und meine, ich wäre cooler damit, könnte sich das natürlich noch mal ändern. ;)

    soul

  2. Stell dir vor du könntest mit den Tablets untereinander kommunizieren, dann noch das richtige App und du kannst so auf einer digitalen Fläche Karten zocken. Für Inventur von Großunternehmen oder andere Office-Spielchen ganz nett, der Mehrwert wurde aber wohl durch fehlende Features komplett aussen vor gelassen.

  3. Ich bin der Überzeugung dass Apples striktes Ausschließen von Flash auf den mobilen Geräten irgendwann dazu führt, dass die Entwickler der Flash-Applikationen und Websites auf z.B. Quicktime umsatteln um ihre Inhalte allen zugänglich zu machen ^^

    • David
    • Februar 7th, 2010

    Ich will nur mal anmerken, dass Apple, ich glaube einen Tag nach der Vorstellung des iPad auch sein Zubehoer vorstellen liess. Es gibt also einen USB anschluss (kannst du bei der apple homepage nachlesen).Ok die SAche mit Flash ist schon ein wenig dumm, allerdings brauchst du weder Musik aus dem Internet noch flash-games denn dafuer gibt es ja iTunes und den appstore. Die aufloesung reicht fuer den normalen Gebraucher doch eigentlich schon. Ich weiss das die mit tricks arbeiten aber Need for Speed sah ziemlich scharf aus, bei der Vorstellung. Das letzte was ich noch sagen will ist das niemand auch nicht apple sagte das es ein guter computer ist.Sie sagten das sie eine Mischung aus computer und Handy zeigen wollten. Dafuer finde ich das iPad sehr gelungen zumal es mit iwork ja auch gute Textverarbeitungs Programme hat.

  4. Ich bin da doch noch ziemlich geteilter Meinung, ein bisschen mehr hatte ich mir doch erhofft. Eine wirklich nützliche Neuerung stellt es nicht dar und der komplette Ausschluss von Flash ist ein echtes Manko. Natürlich wird Apple sich bestimmt auch mit dieser Kreation eine goldene Nase verdienen, einfach nur weil jeder gespannt ist, welches neue Kultobjekt Apple diesmal ins Feld führt. Meiner Meinung nach ist die Verbindung der positiven Eigenschaften von Handy und Notebook nicht in genügend hohem Maß gelungen.

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